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Bilder vom Stammtischphilosoph

Der Stammtischphilosoph

Mit körpereigenen Drogen fröhlich durch die Welt

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4
Sep '07

Trolle und andere Bewohner

Ein weiblicher TrollWas mir an Norwegen besonders positiv auffällt ist die Freundlichkeit, mit der man dort empfangen wird. Das besondere an den Menschen ist die ungespielte Herzlichkeit, mit der man als Fremder willkommen geheißen wird. Dies ist etwas völlig anderes, als die nur oberflächliche Freundlichkeit, mit der man in Frankreich oder Italien empfangen wird nach dem Motto “Wir sind freundlich, weil Ihr Geld mitbringt”. In Norwegen habe ich mich eigentlich immer willkommen gefühlt.


Blick auf den PreikestolenSelbst die Deutschen, die einem in Scharen über den Weg laufen, scheinen freundlicher und besser gelaunt zu sein, wie in der Heimat. Vielleicht liegt es einfach an der Urlaubsstimmung, vielleicht auch einfach daran, dass niemand nach Norwegen fährt um seine Sonnenliege am Ballermann mit einem Handtuch zu sichern. Es kam übrigens mehr als einmal vor, dass wir uns Englisch mit anderen Touristen unterhalten haben und erst nach längeren Gesprächen gemerkt haben, dass es Deutsche waren.


von Akrophobie weit entfernt... Eine Begegnung der besonderen Art hatten wir übrigens auf dem Weg zum Preikestolen. Ausgerechnet hierher hatte es einen Wanderer der Gattung “Wacken-Festival-Besucher” (zumindest optisch) verschlagen um seine Höhenangst zu überwinden. Der arme Kerl hatte seine Kamera im Fjord versenkt und bat um ein Foto zum Beweiß seiner Strapazen. Gerne haben wir ihn fotografiert und das Foto per Email versandt. Das war eine interessante, nette und spannende Begegnung. Die Art von zufälligen Begegnungen, die einen besonderen Urlaub ausmachen.


“Wenn einer eine Reise macht, dann hat er was zu bloggen” sagt (zumindest so ähnlich) der Volksmund. So will ich mich denn auch nicht Lumpen lassen und von den wohl bekanntesten und (gefühlt) zahlenmäßig am stärksten vertretenen Bewohnern Norwegens erzählen: Den Trollen.


TrollTrolle trifft man eigentlich überall in Norwegen. Zum Einen natürlich kommt kaum ein Souvenirshop oder auch nur Supermarkt ohne Trolle in allen Größen und Variationen aus. Vor allem aber sind diese Wesen, die in den Bergen hausen und sich gerne als Stein tarnen für so ziemlich alles verantwortlich, was einem in Norwegen passieren kann.


Socken etwa verschwinden in Norwegen nicht in Waschmaschinen oder in fremden Dimensionen. Nein. Sie werden von Trollen geklaut. Trolle schmeißen Steine auf Straßen, hauen Krater in die Landschaft oder schubsen einfach ein paar Steine herum. Es sind also alles in allem ein paar ziemlich garstige Gesellen.Schlechter Platz für ein ZeltAber eigentlich nimmt man Ihnen das alles nicht wirklich übel, denn irgendwie sind sie ja eigentlich nur wie kleine Kinder. Trolle haben übrigens die Macht, Menschen zu verfluchen. Dies soll angeblich besonders dann passieren, wenn man ihre Gärten (die Berge) mit Müll übersäht. Wir waren dementsprechend vorsichtig. Kurz vor Bergen muss aber dennoch etwas passiert sein, warum sonst wurden wir dermassen mit Regen überschüttet, dass ein Scheibenwischer absoff, die Heckleuchte meines Wagens zum viertel mit Wasser gefüllt war und Enten vor dem Zelt schwammen?


Das war mal ein TrollEs gibt übrigens eine einfache Erklärung warum wir keine Trolle zu Gesicht bekommen haben: Trolle zeigen sich nicht gerne. Man könnte dies auf ihre nicht gerade betörende Erscheinung schieben, der Grund ist aber viel einfacher: Wenn man einen Troll sieht, so verwandelt er sich sofort zu Stein. Wir konnten in Norwegen viele, insbesondere junge Trolle bestaunen, die es vorzogen sich als Steinhaufen zu tarnen.


Vorsicht, Trolle!An einigen Stellen wird auch von Staats wegen ausdrücklich vor den Trollen gewarnt. Vermutlich erhöht die starke Ansammlung von Touristen und Trollen die Steinschlaggefahr doch dermassen, dass sich der norwegische Staat genötigt sah Warnungen anzubringen. Die “Trollstigen” (wo die Warnung steht) sind dabei nur ein weiteres Beispiel für die Kraft der Trolle. Verspielt wie sie nun einmal sind, haben die Trolle nichts besseres im Sinn, als riesige Steine tausend Meter über dem Fjord einfach in eine Felswand zu keilen. Wobei natürlich auch nicht völlig ausgeschlossen werden kann, dass dieser Stein wiederum selbst ein Troll ist, der sich vor den neugierigen Blicken schützen wollte.


Natürlich gibt es abseits der Trolle noch andere Mythen und Legenden. So ziemlich jede Fjordfähre bietet in Ich auf dem TrollNorwegen den Service, ein paar Umwege zu fahren und die Sehenswürdigkeiten den Touristen in mindestens drei Sprachen (bei Busladungen voller Koreaner entsprechend vier) zu erklären. Begleitet wurden diese Sehenswürdigkeiten immer mit der Melodie von “In der Halle des Bergkönigs”. Ich kann mir vorstellen, dass man als Einheimischer, der es nicht geschafft hat im Sommer Urlaub zu bekommen doch einigermaßen genervt ist beim Pendeln jeden Tag das gleiche zu sehen und die Fahrtzeit zu verdoppeln, damit die Touristen die Geschichten hören, die den Fjord ausmachen.


Blick vom KjeragFast jeder Fjord verfügt über den ein oder anderen mittlerweile verlassenen Hof hoch über den Köpfen von uns staunenden Touristen. Die Kinder wurden dort immer angebunden, damit sie nicht von der Klippe stürzen können. Jeder Fjord hat zudem mindestens eine der Geschichten zu bieten, die in etwa wie folgt klangen: “Der Deutsche Horst wohnte oben auf seinem Hof, der nur per Seil erreichbar war und brannte dort heimlich Schnapps. Wann immer die Polizei ihn verhaften wollte zog er lediglich das Seil hoch und es konnte ihm nichts passieren”. Teilweise gibt es diese Geschichten in abgewandelter Form mit Steuereintreibern anstatt der Polizei. Ob sie wahr sind? Keine Ahnung. Hauptsache sie sind schön. :)


Geirangerfjord, die SchwesternEin paar besonders blumige Geschichten gibt es vom wohl bekanntesten Fjord in Norwegen: Den Geiranger. Dort gibt es zum einen die sieben Schwestern, sieben Wasserfälle, die direkt nebeneinander liegen. Das Besondere an diesen Wasserfällen ist der fast direkt gegenüberliegende “Freier“, Der Freierein recht stattlicher Wasserfall. Der Legende zu Folge hat der Freier seit tausenden von Jahren erfolglos um die Hand der Schwestern angehalten. Irgendwann wurde es ihm dann zu blöd, und er hat Trost im Alkohol gefunden. Die überdimensionale Flasche ist deutlich auf dem Foto zu erkennen.


Doch weg von den Legenden, hin zu den realen Bewohnern Norwegens. Und das sind in großer Zahl die Tiere. Ein paar sehr schöne Hütten sind direkt in Geiranger versteckt, wenn man frech genug ist, quer über “Geiranger Camping” über eine Schotterpiste zur anderen Seite der Fjordbucht zu fahren. Der Weg ist relativ schmal und wird zudem von zwei extrem störrischen Eseln bewacht, die sich fast nur mit Erpressung zum Freigeben der Strasse bewegen lassen.Überhaupt trafen wir immer wieder (sowohl auf sehr gut ausgebauten Strassen, als auch auf Bergwegen, die als Wanderer kaum zu bewältigen waren) immer wieder auf jede Menge Nutzvieh. Mehr Kekse?Mehrmals standen wir hinter einer Kurve plötzlich Aug’ in Aug’ mit Schafen oder Rindviechern. Auf den Klettertouren kamen dann noch Hunde hinzu. Es scheint für einen norwegischen Hund kaum schöneres zu geben, als am Abhang entlang den Berg hochzutrotten. Andererseits gab es auch riesengroße Hunde (Dogge) deutscher Touristen, die vor lauter Angst nicht mal mehr wagten aus dem Flußwasser zu trinken und letztendlich von Herrchen ins Tal getragen werden mussten. Ein Anblick für die Götter!


Grinsender ElchDas einzige, was wir leider überhaupt nicht zu Gesicht bekamen waren Elche. Doch die vierbeinigen Erfahrungen waren auch so spannend genug. Überhaupt: Verrückter als die Zweibeiner, die da durch Norwegen fuhren waren die Vierbeiner keineswegs. Unangenehmer für einen (weiblichen) Teil der Truppe waren da sicherlich die achtbeinigen Begleiter unserer Tour. Es hat schon was irritierendes, wenn man auf dem Beifahrersitz aufwacht und erst einmal in das Gesicht einer Spinne blickt. Wirklich gestört haben dann allerdings die Mücken, denen mit deutschen Abwehrmaßnahmen in Form von chemischen Keulen oder Duftkerzen überhaupt nicht beizukommen ist. Letztendlich hilft nur lange Kleidung und Notfalls schlicht ignorieren und stechen lassen. War sonst noch was an Tieren? Ach ja, ein Eisbär soll angeblich im Fjord gesichtet worden sein. Kein Märchen, sondern in der Tat zu sehen waren stattdessen mehrere Seehunde im Lysefjord, die sich auf den Steinen sonnten. Natürlich immer nur solange, bis die Kamera endlich griffbereit war, dann ging es ab ins Wasser. Das Fazit also: Menschen, Tiere, Trolle: Sie alle sind eine Bereicherung für den Urlaub gewesen.

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