Ich wohne ja nun seit ein paar Jahren in der schönsten Stadt der Welt, doch hin und wieder verschlägt es mich vor allem zu den Feiertagen doch wieder in mein Heimatdorf. Üblicherweise würde man es als Kuhdorf oder Kaff bezeichnen: Zwei Kneipen, Eine Kirche, eine Bank und keine Ampel. Dafür ein Kloster, ein Waldlehrpfad “Die Leiden Christi”, einen Katholikenanteil von 98% und Pinguine so weit man schauen kann auf den Straßen. Nennen wirs ruhig beim Namen: Das Dorf schimpft sich Kroge-Ehrendorf und hat – auch wenn die Einleitung dies nicht vermuten läßt – einiges, was es Liebenswert macht.
Eines dieser Dinge ist die Tradition, dass am Neujahrstag die Kinder des Ortes von Haus zu Haus pilgern und ein “Glücksehlichs nei Joar” wünschen. Hochdeutsch am ehesten mit “ein frohes neues Jahr, lieber Nachbar; Und jetzt rück schon endlich die Süssigkeiten raus!” zu übersetzen. Das Ganze ist dem Halloween nicht unähnlich, mit dem Unterschied, dass es keine Streiche gibt, nur Kinder dies praktizieren und sich niemand verkleidet. In meinen Augen deutlich sympatischer als der reimportierte Erntedankbrauch. Wäre da nicht die Tatsache, dass am Morgen nach Sylvester das sensible Gehör in Verbindung mit einem verkaterten Schädel nur bedingt zu Freudensprüngen aufgelegt ist, wenn ein Kinderchor so laut wie eben möglich “Glücksehlichs nei Joar” brüllt, bis man sich denn an die Tür geschleppt und Süssigkeiten verteilt hat.
Dieses Jahr überraschte mich ein Junge mit einer guten Kenntnis des Kapitalismusprinzip und der Globalisierung:
“Na, Dich kenn ich ja gar nicht. Wo kommst Du denn her?”
– “Ich komm aus Lohne [6km entfernte Stadt], aber da geben die Leute nix”
Ein echter Global Player im Kleinen. Man muß sich seine Märkte halt suchen…
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