Zu behaupten, die BILD-Zeitung hätte ein Glaubwürdigkeitsproblem wäre ein doppelter Euphemismus. Zum einen sind natürlich journalistisch einwandfrei recherchierte Berichte wie “UFO-Sekte will Hitler klonen” nicht wirklich ernst zu nehmen, doch finde ich das – für ein Blättchen der Yellow Press – erwartungsgemäß und auch nicht schlimm.
Auch das der Chefredakteur aktiv dafür sorgt, dass seine politische Sicht der Dinge ans Volk transportiert wird wäre für eine seriöse Zeitung journalistischer Selbstmord, aber auch hier entsprechend der Erwartungshaltung: Nicht der BILD speziell, sondern dem Metier im allgemeinen.
Nun tritt allerdings immer augenscheinlich hervor, dass die BILD auch käuflich ist. Werbepartner werden – wo immer möglich – erwähnt, ob dies überhaupt einen Bezug zur Geschichte hat, oder nicht. Dank Werbepartner Ferrero fällt so bei jeder Berichterstattung über die Nationalelf dass, was BILD selbst so ungewollt selbstironisch mal als “Nutella-Seuche” bezeichnet hat. Fernsehsender hätten bei solch offensichtlicher Schleichwerbung hohe Strafen zu erwarten. Dieses Verhalten ist wiederum selbst für ein Gossen-Blatt wie die BILD nicht mehr akzeptabel.
Noch deutlicher wird dass komplette Inhalte käuflich sind am Beispiel Lidl. Lidl ist ein wichtiger Geschäftspartner von BILD: Ergo landet er auch schonmal in der “Gewinner des Tages”-Spalte, während über Verfehlungen des Konkurrenten Aldi ausgiebig berichtet wird.
Skandale von Lidl selbst – über die fast die komplette Medienlandschaft Deutschlands ausführlich berichtet – wird von der BILD konsequenterweise entweder komplett unter den Teppich gekehrt oder diese Information so gut versteckt, dass kein BILD-Leser Gefahr läuft aus versehen kritisch informiert zu werden. Der Überwachungsskandal bei Lidl fand in BILD de fakto nicht statt.
Als jetzt sechs Menschen durch Lidl-Produkte ums Leben kamen verschwieg BILD das ebenfalls so lange wie möglich und reagierte dann, als es nun gar nicht anders mehr ging, BILD-typisch. BILD erwähnte die Tatsache, dass Menschen starben, aber welcher Discounter diese im Sortiment hat bleibt BILD seinen Lesern wohlweislich weiterhin schuldig. Wäre der Anbieter Aldi gewesen wäre der Aufmacher unter Garantie ein anderer.
Fassen wir also zusammen:BILD, die sich selbst als Anwalt des kleinen Mannes sieht ist in höchstem Grade käuflich und korrupt. Eigentlich müssten neue Gesetze her um konsequenter zu verhindern, dass redaktionelle Inhalte käuflich sind. Doch würde ein Politiker ernsthaft in diese Richtung vorpreschen wäre das Ende seiner Zukunft – dank BILD – gewiss.
Das alles ist nichts wirklich neu und keine Gefahr für die BILD. Wo liegt nun also das Dilemma für die BILD? Das Problem liegt nun an einer völlig überraschenden Idee des Partners Lidl, sich für einen Mindestlohn stark zu machen. Ob dies eine ernste Erwägung ist mag bezweifelt werden, schließlich ist – was man als BILD-Leser wohl nie erfahren wird – Lidl in der Vergangenheit nicht durch die Unterstützung von Arbeitnehmerinteressen aufgetreten.
Die Vermutung liegt nahe, dass das ganze nur ein Image-Werbegag ist. Das eigentliche Dilemma liegt aber nun darin, dass die BILD monatelang eine heftige Kampagne gegen den Mindestlohn im Postbereich gefahren hat. Kein Wunder: Ist der Springer-Verlag doch finanziell am privaten Lohndumping-Postzusteller PIN beteiligt.
Was soll man nun machen, wenn man doppelt korrumpiert wird und der journalistische Kodex sich scheinbar ausschließlich an den Zahlungen der Geldgeber orientiert? Fährt man weiterhin die Linie: “Mindestlöhne vernichten Arbeitsplätze!” weil man sich PIN weiterhin verpflichtet sieht oder wechselt man auf die Argumentation des mittlerweile wohl gewichtigeren Geldgebers Lidl und wird zum absoluten Mindestlohnbeführworter?
Spannend wird es alle Mal. Bleibt nur die Frage, ob die Leser so vergesslich sind wie Kai Diekmann & Co es sich wünschen, oder ob endlich auch der letzte begriffen hat, dass neben den persönlichen Animositäten von Diekmann nur noch das Geld allein die Inhalte bestimmt.
















